Pressebericht 29.04.2007 Jugendwerk Nabburg

04.05.2007  |  "Der Neue Tag"  |  Als pdf öffnen

Musikalischer Cocktail auf Eis
"Blech on the rocks" begeistern die Zuhörer im Jugendwerk - Tango und Techno mit Blechbläsern

Nabburg. (foa) Ein kleiner Vorgeschmack auf das "Tonart"-Festival? Am besten pur auf Eis? Da sind "Blech on the rocks" genau der richtige musikalische Cocktail: Rund 75 Besucher "verkosteten" ihn im Jugendwerk.

"Geblasen, nicht gerührt" - unter diesem Titel servierten die acht Instrumentalisten "Musik, die man auf Blech besser nicht blasen sollte". Die Zutaten konnten unterschiedlicher kaum sein: Sechs Blechbläser, vom Biker mit Sonnenbrille bis zum bayerischen Burschen in Lederhosen, dazu zwei schlagkräftige "Schlagwerker" - und Rhythmen, die die meisten Blechbläser nur vom Hören kennen, aber nicht vom Spielen.

Tango, Swing, Jazz, aber auch Polkas und eine Prise volkstümliches Liebesgesäusel strömten durch den Saal - die Bar der Tonarten war reich gefüllt. Zwischendurch gab es ein "hundsgemeines Stück" namens "Brandner Bayerisch", dessen Hauptmerkmal der Zwiefache im Zwiefachen war - dieser schien manchem Musiker mehr Kopfschmerzen zu bereiten, als eine ausgedehnte Kneipentour es vermocht hätte. Latino-Klänge flossen heiß den Gehörgang hinunter, und eine Prise blechgeblasenes "Mandolinengezirpe" verlieh dem Hörgenuss noch mehr Süße.

Der Humor kam in diesem Konzert nicht zu kurz: Ob die Musiker mitten im Spielen plötzlich innehielten und ungläubig auf ihr Notenblatt starrten oder gar einer der Trompeter auf Knien vor einer Besucherin lag und á la Flippers "Monia" himmelte - zu lachen gab es viel. Doch die acht Musiker spielen nicht nur gern den Schelm, sondern auch richtig gute Musik. Kein Wunder, schließlich haben das die meisten von ihnen studiert.

Solisten mit Brille
Fast in jedem Stück kam einer der Bläser und Trommler als Solist zu Gehör - jeweils zu erkennen an der "Solistenbrille" mit großen Gläsern, dick wie der Boden einer Whiskeyflasche. So war die "Basiszutat" in jedem Stück eine andere: Mal sprudelten die Töne wie Kohlensäure aus der Trompete, mal schmachtete das Tenorhorn mit einer Rose im Trichter "Je t'aime", mal veranstalteten "Horizontaltrommel" und "Vertikaltrommel" ordentlich Wirbel. . . Da war Langeweile weit entfernt.

Und sogar Techno lässt sich auf Trompete, Tenorhorn und Tuba umsetzen. Das heißt dann zwar nicht mehr Techno, sondern "Blechno" - jedenfalls im Programm der acht Musiker. Aber der Sound war beinahme ein Geniestreich: die "Heidi"-Melodie und Kinderreime wie "Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen", verpackt in die harte Schale der Elektromusik - mit der Ansage, jetzt gehe "hier gleich richtig der Punk ab", hatten die Blechbläser nicht zu viel versprochen.

Zwei "Absacker"
Kein, Wunder, dass die Zuhörer noch nach einem musikalischen Schlummertrunk dürstete, als der letzte Ton des Konzertprogramms verklungen war. Alles erhob sich von den Plätzen und klatschte mit, als "Blech on the rocks" eine Zugabe spielten; erst nach zwei "Absackern" ließen die Besucher die Gruppe endgültig aus dem Saal marschieren. Da bleibt wohl nur zu sagen: null Prozent Alkohol - hundert Prozent Musikgenuss.