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31.07.2007 | "Der Neue Tag" | pdf zum Ausdrucken
Brass Machine und "Blechno" unter der Birke
Publikum zeigt Begeisterung für "Blech on the rocks" im Rotzendorfer Kunstcafe "Federkiel"
Von Anastasia Poscharsky-Ziegler
Rotzendorf. Hochprozentige Blechblasmusik aller möglicher und unmöglicher Stilrichtungen servierte das zwei Jahre junge Oktett "Blech on the rocks" 150 Gästen unter der Birke im Innenhof des Kunstcafés "Federkiel" in Rotzendorf. Die Regenschirme mussten zwar zweimal kurz aufgespannt werden, doch so wie die Oberpfälzer Profimusiker jede schlechte Laune vertrieben, genauso bliesen sie die Regenwolken fort.
Colonel Hathis Marsch
Und während hochprozentige Getränke einem die Sinne vernebeln, macht dagegen "Blech on the rocks" die Lebensgeister hellwach. Schon als die sechs Bläser mit den zwei schlagkräftigen Trommlern Christian Kraus und Ludwig Zandt mit "Colonel Hathis March" aus dem "Dschungel" in den Federkiel-Hof einzogen, konnte man sich auf einen amüsanten Sommerabend freuen. Der Püchersreuther Paul Meiler, erster Trompeter und freischaffend bei den Nürnberger Symphonikern aktiv, führte durch das bunt gemixte Programm aus Volksmusik, Klassik, Schlagern der vierziger und fünfziger Jahre, Film- und Rockhits.
Witzige Moderation
Auch seine schrägen Kollegen erwiesen sich als Selbstdarsteller und witzige Moderatoren: die Trompeter Tobias Böhm (Waldsassen) und Markus Raab (Schwandorf), der Musiklehrer und Posaunist Stefan Karl (aus Eslarn, ehemals im Orchester des Gärtnerplatztheaters München), der Regensburger Baritonhornist Alexander Beer und der Militärmusiker Martin Habersetzer an der Tuba.
Überschäumend vor Kreativität und Einfällen liegt den ansonsten disziplinierten Orchestermusikern der Freistil: ob bei der "Brass Machine" im Bigbandsound, lateinamerikanischen Rhythmen "Ole guapa", Ravels "Bolero" oder "Zarathustra" von Richard Strauß, den Könnern gelingt alles.
Sie toben sich im Freistil aus, vernachlässigen dabei aber nie die hohe Schule ihres Fachs. Als Erinnerung an ihre erste China-Tournee im letzten Jahr brachten die Blechbarden aus Shanghai die Filmmelodie "Tian Mi Mi" des gleichnamigen Hongkonger Streifens mit: die Melodie von "süß wie Honig" wollte den Ohren nur zu gern munden. Niemand schüttelte sich auch bei solch klebrigen Schmonzetten wie "Monja", und alles war gerührt bei der "Sentimental Journey". Größtes Lob verdiente "Blech on the rocks" für die Südböhmische Polka. Hier zeigten sich die jungen Talente geradezu als Traditionalisten und Bewahrer einer bedrohten Art. Bravo!
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